Alte Ansichtskarte von Mittenwald um das Jahr 1907

Der königstreue Ort Mittenwald

Mittenwald

von Magdalena Sailer

Der königstreue Ort Mittenwald

Mittenwald

von Magdalena Sailer

Kurz vor der Grenze zu Österreich, im Süden Bayerns, liegt der idyllische Geigenbauort Mittenwald. König Ludwig II. war einmal Gast der Marktgemeinde, woraufhin die Mittenwalder „ihrem“ König ewige Treue schworen.

Die idyllische Marktgemeinde Mittenwald, eingebettet in die Berge des Karwendelmassives

Sympathie für Ludwig

Die Mittenwalder waren Ludwig II. so treu, wie kaum kein anderer Ort während und nach seiner Regentschaft. Wann und wie oft der König den berühmten Geigenbauort besuchte, kann heute nicht mehr belegt werden. Sicher ist jedoch, dass das Bergvolk große Sympathie für den Märchenkönig hegte, aber auch, dass Ludwig sehr von der Landschaft des Marktes angetan war. Mündlichen Überlieferungen zufolge ritt er in jüngeren Jahren oft von Partenkirchen aus über Klais und Elmau bis zu den Höhen über Mittenwald und betrachtete den Luftkurort samt beeindruckender Bergkulisse. Wenn er in Elmau auf Mittenwalder traf, die mit der Heuernte beschäftigt waren, war es nicht selten, dass manch einer eine Uhr von ihm geschenkt bekam.

Feierlichkeiten für den König

Ganz in Vergessenheit geraten sind die Feierlichkeiten, die der Krieger- und Veteranenverein des Marktes anlässlich seiner Geburts- und Namensfeste zum 25. August abhielt, die durch Bergfeuer umrahmt wurden. Der damalige Bürgermeister Seitz begrüßte die damalige Festversammlung mit folgenden Worten:„In höchst bescheidener Weise, in ländlicher Einfalt feierte heute der Markt Mittenwald das allerhöchste Geburts- und Namensfest unseres geliebten König Ludwig II. von Bayern.“ Da sich Ludwig II. jedoch viel öfter auf dem nahen Schachen oder in Partenkirchen aufhielt, vergisst man die Königstreue der Mittenwalder oft.

Treue bis über den Tod hinaus

Diese Treue gegenüber dem König hielt auch noch nach dem Tod desselbigen an. Denn als der Gebirgsort von der Katastrophe bei Schloss Berg am Starnberger See hörte, setze Bürgermeister Seitz tief ergriffen im Namen Mittenwalds sofort ein Beileidsschreiben an den Prinzregenten auf, das folgende Worte beinhaltete:
„Jedes treue Bayernherz war auf das tiefste ergriffen, als die Kunde sich verbreitete, welch‘ edles Königsherz zu schlagen aufgehört hat. (…) Wir werden nie aufhören, dem bayerischen Regentenhause und Euer Königlichen Hoheit die unverbrüchlichste Treue und Ergebenheit zu wahren, mit welcher in aller Inbrunst verharren.“
In Mittenwald hielt man außerdem nach dem offiziellen Leichenbegräbnis in München am 23. Juni 1886, einen Seelengottesdienst zu Ehren König Ludwigs II. ab.

Alte Ansichtskarte von Mittenwald um das Jahr 1907

Literatur u.a.:
Mario Praxmarer, Peter Adam, Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002.
Beileidsschreiben an S.K.H. Prinzregent Luitpold, Marktarchiv Mittenwald zit. nach: Mario Praxmarer, Peter Adam, Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002.

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Soiernhaus

Unweit der Grenze zu Tirol im Vorkarwendel liegt die Gebirgswelt der Soierngruppe, die Ludwig II. besonders liebte. Schroffe Gipfel, darunter die Soiernspitze (2050 m), reihen sich um den Soiernkessel mit seinen smaragdgrünen Seen (1552 m). Die Bergresidenz war berühmt für den Pavillon auf der Schöttelkarspitze und für nächtliche Feuerwerke, die der König im Drachenboot vom Soiernsee aus auf sich wirken ließ.

Schöttelkarspitze

Weitverbreitet ist die Tatsache, dass König Ludwig II. die Berge, sowie die Einsamkeit in den Bergen, liebte. Weniger bekannt hingegen sind die vielen Gebirgsketten, die der König zwar mehrmals besuchte, auf denen er jedoch kein Schloss, wie beispielsweise auf dem Schachen, errichten ließ. Ein Beispiel dafür wäre die 2050 Meter hohe Schöttelkarspitze im Vorkarwendel, bei Krün. Um dort den Einklang mit der ruhigen Natur zu finden, wurde eigens für den Märchenkönig ein kleiner Pavillon direkt auf dem Berggipfel erbaut.

Ludwig Thoma

Wenn Ludwig II. sein Königshaus in der Riß besuchte, wohnte er neben dem Forsthaus der Familie Thoma. Vater Max Thoma war hier Oberförster. Mit seiner Frau Katharina führte er den Gasthof Post unterhalb des Forstanwesens an der Isar. Förstersohn Ludwig Thoma verlebte hier seine Kinderjahre (1867–1873). In seinen „Erinnerungen“ (1919) erzählt der Schriftsteller von seiner Kindheit in der Riß und wie es war, wenn der König dort war…