Nachbau der Hundinghütte Ludwigs II. im Schlosspark Linderhof – Foto: HK

Refugium des Königs im Ammerwald

Hundinghütte

Refugium des Königs im Ammerwald

Hundinghütte

von Heidi Korte

Mitten im Ammerwald nahe der Tiroler Grenze stand einst die Hundinghütte Ludwigs II. Das urwüchsige Blockhaus entsprach einer Szene aus Wagners Oper „Walküre“. Der König zog sich hierher von Schloss Linderhof aus zurück – trank Met, aß Steckerlfisch und lag lesend auf Bärenfellen. Nach seinem Tod wurde die Hütte zum Touristenmagnet. Das ärgerte einen Forstmeister aus Oberammergau…

Josef Kainz: Gespräch mit Ludwig II. im Hundinghaus

Im Sommer 1881 lud der König den Hofschauspieler Josef Kainz nach Linderhof ein und zeigte ihm persönlich die Hundinghütte. Kainz veröffentlichte seine Erinnerungen an diese Begegnung in Erzählform:

„Ich hatte mal die Idee, mir hier den ersten Akt der Walküre vorsingen zu lassen,“ erzählte er [= Ludwig II.] – „es wäre nur wenig Personal dazu nöthig gewesen – drei Personen!“

„Ah“ – unterbrach ich [= Kainz], „also Nachbaur den Siegmund?“

„Jawohl – Nachbaur den Siegmund, und Weckerlin die Siglinde!“

„Und den Hunding?“ fragte ich weiter.

„Für den Hunding hatte mir Hesselschwerdt“ – hier stockte der König ein wenig – „den Opernsänger Mayer vorgeschlagen. Er kennt ihn sehr genau. Er soll ein diskreter Mensch sein.“

„Diskret?“ Ich wiederholte das Wort leise. Der Zusammenhang fehlte mir, und der König schien es zu verstehen. 

„Ich mag das Geschwätz nicht,“ erklärte er in seiner knappen Art – „ich liebe es nicht, die Dinge hinausgetragen zu wissen – deshalb pries mir Hesselschwerdt den Mayer!“

„Aber das viele Orchesterpersonal,“, fragte ich in vollster Erkenntniß und Würdigung der Einsamkeitsliebe des Monarchen, und er erwiderte rasch und mit Lebhaftigkeit: 

„Kapellmeister L… [= Hermann Levi, Kapellmeister des Münchner Hoforchesters], mit dem die Sache besprochen wurde, hätte es möglich gemacht, den ersten Akt mit einem Quartett zu markiren.“

„Und wo hätte Eure Majestät es placirt?“

„Ja – das war schwierig. Kapellmeister L… meinte, es könnte in der kleinen Küche dort rechts untergebracht werden, wo die Stufen nach der schmalen Thüre führen!“

Ich sah ihn verwundert an, und er schien meine Zweifel zu verstehen. 

„Ja – sehr schön wäre es nicht geworden,“ sagte er mit einem halb genirten Lächeln, das dem schönen Gesicht einen eigenen Zauber verlieh – „aber ich hätte es doch zu gern gesehen und es trotzalledem durchgeführt, aber – die Zeitungen mischten sich hinein!“

„Wie ist das möglich, Majestät? Wer wäre so indiskret gewesen, das Projekt an die Oeffentlichkeit zu bringen?“ Der König sah vor sich nieder. Sein Gesichtsausdruck wurde ernst. 

„Ich weiß nicht, wer’s war. Es konnte nur ein Eingeweihter gewesen sein. Und dumm war es von ihm, denn er brachte sich selbst um einen Genuß, wie er ihm nicht wieder geboten wird.“ Nach einer kleinen Stockung fuhr der König fort: 

„Es verstimmt mich immer, wenn man meine Liebhabereien öffentlich bespricht. Sie finden solch gehässige Beurtheilung. Die Indiskretion der Menschen hat mir schon manche Freude verdorben. Warum sie sich wohl so viel um mich kümmern?“ – er macht eine kleine nachdenkliche Pause… (…).

aus: Josef Kainz, Erinnerungen an König Ludwig. Teil III. Das Hundinghaus, in: Der Zeitgeist (Beiblatt zum Berliner Tagblatt), Nr. 28, 12. Juli 1886.

Literatur u.a.: 

  • Detta und Michael Petzet: Die Hundinghütte König Ludwigs II. Das Bühnenbild zu Richard Wagners „Walküre“ und die Rekonstruktion der Hundinghütte im Schlosspark von Linderhof (Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, 51), München 1990.
  • dies.: Die Richard Wagner-Bühne König Ludwigs II. (Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts, 8) München, Bayreuth 1970.
  • Sebastian Schauer: „Dreimalige Begegnung mit dem König“, in: Hermann M. Hausner (Hg.), Ludwig II. von Bayern. Berichte der letzten Augenzeugen, München, Salzburg 1962, S. 60-61.
  • Josef Kainz: Erinnerungen an König Ludwig. Teil III. Das Hundinghaus, in: Der Zeitgeist (Beiblatt zum Berliner Tagblatt) Nr. 27, 12. Juli 1886.
  • Luise von Kobell: König Ludwig II. von Bayern und die Kunst, München (Erstausgabe) 1898.

Empfohlene Zitierweise:

Heidi Korte, „Hundinghütte. Refugium des Königs im Ammerwald“, in: Königswege, URL: <https://koenigswege.bayern/hundinghuette>, zuletzt besucht am: [aktuelles Datum]

Ähnliche Themen

KW Zur alten Hundinghütte

Am Weg zum Standort der alten Hundinghütte im Ammerwald quert man den Neualmbach und die Tiroler Grenze. Die Hütte lag wieder auf bayerischem Boden. Der abgelegene Ort birgt die Überreste der legendären Blockhütte Ludwigs II. und des künstlichen Sees, der einst angelegt wurde. Noch nach 80 Jahren sind Spuren zu finden…

Hochkopfhütte

Ein beliebter Aufenthaltsort König Ludwigs war die Hochkopfhütte (1299 m) am Altlacher Hochkopf zwischen Walchensee und Isartal. König Max II. ging hier zur Auerhahnjagd. Ludwig II. schätze die Fernsicht auf Berge und Täler. Mit einem besonderen Gefährt umfuhr er den Gipfel…

Venusgrotte

Eine unterirdische Tropfsteinhöhle nie dagewesener Größe ließ Ludwig II. bei Schloss Linderhof bauen. Hier konnte er sich mit Hilfe modernster Technik in Traumwelten versetzen. Bayern verdankt dem Wunsch Ludwigs II. nach perfekter Illusion sein erstes Elektrizitätswerk – und die BASF ihr erstes Patent auf ein Blau, das aber dem König nie blau genug war…