Seeshaupt am Südende des Starnberger Sees vom Bootssteg Seeseiten (Foto: HK)

Ludwigs „letzter Trunk“ in Seeshaupt

Die Seeshaupter Post

Ludwigs „letzter Trunk“ in Seeshaupt

Die Seeshaupter Post

Der Konvoi mit dem gefangenen König traf am 12. Juni 1886 gegen 10.30 Uhr in Seeshaupt ein. Hier reichte ihm die Postgastwirtin das berühmte „letzte Glas“ auf der Fahrt von Neuschwanstein nach Berg. Am Tag darauf fand Ludwig II. den Tod im Starnberger See. Seeshaupt und der Gasthof zur Post gehören zu den letzten Orten, wo Ludwig II. noch lebend von seinen Gebirglern gesehen wurde.

König Ludwig zu Gast

Ludwig II. nutzte das Postgasthaus in Seeshaupt regelmäßig, denn es lag am Weg zwischen Berg und seinen Schlössern und Bergresidenzen. Eine Kutschfahrt von Neuschwanstein nach Berg dauerte damals etwa acht Stunden. Man wechselte alle zwei Stunden die Pferde und gönnte sich eine Pause. Bei den Wirtsleuten Vogl war der König gern gesehen. Für seine Aufenthalte war im ersten Stock das „Königszimmer“ reserviert. Mit der Zeit entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis zur Familie Vogl, denn Ludwig II. war – wie immer wieder berichtet wird – dem Gebirgsvolk gegenüber durchaus nicht „menschenscheu“, sondern sehr leutselig. Postwirtin Anna Vogl soll, so berichtet eine Nachfahrin, sogar des Öfteren für Ludwig II. Briefe an Kaiserin Sisi nach Feldafing gebracht haben.

Lüftlmalerei an der „Seeresidenz“ erinnert an die historische Posthalterei (1857-1925) (Foto: HK)

Kronzeugin des Fluchtplans

Der Beleg dafür, dass es den Fluchtplan gab, wurde 2011 von Hadumod Bußmann veröffentlicht. Im Nachlass der Prinzessin Therese (1850-1925), Tochter des Prinzregenten Luitpold, fand sich ein autobiographisches Manuskript, das die Prinzessin 1920 verfasst hatte. Darin bezeugt sie, was ihr „unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit“ von einer hohen Gewährsperson mitgeteilt wurde. „Aber jetzt [1920], da sämtliche dabei Betheiligten nicht mehr am Leben“ seien – erklärt Therese – wolle sie das Wissen „nicht mit in’s Grab nehmen“. Sie fühle sich verpflichtet, „das Andenken des Königs vom Selbstmord“ zu reinigen. Die Prinzessin berichtet:

„Eine gerade am Starnbergersee befindliche hohe Dame, es läßt sich errathen wer, sie war eigenartig veranlagt wie der König, u. ein herbes Geschick wollte, daß sie geraume Zeit später durch Mörderhand fiel, also, diese hohe Dame hatte im Geheimen einen Befreiungsplan in’s Werk gesetzt u. hievon den König verständigen lassen. Ein Kahn wartete den 13ten Juni Abends nicht weit vom Gartengitter von Berg, seeaufwärts, den Fliehenden aufzunehmen. Der König hatte nur beim Gitter in das Wasser zu treten, das Gitter im Wasser zu umgehen, jenseits desselben das Ufer wieder zu gewinnen oder im seichten See mit der Zeit den Kahn zu erwa[r]ten. Die weitere Flucht, dem Gebirge zu, sollte zu Wagen erfolgen (…).“ – Die Gewährsperson, auf die Therese anspielt, war Kaiserin Elisabeth von Österreich selbst.

Kutschen, Boote und Gendarmen

Andere Quellen lassen vermuten, dass Graf Dürckheim die Kaiserin organisatorisch unterstützte. Er soll beim Freiherrn Beck von Peccoz in Eurasburg vier Kutschen bestellt haben, die an vier Orten am See – in Leoni, in Ammerland, in Ambach und in Seeshaupt – bereit standen. Der König hätte nach erfolgreicher Flucht zu einer der vier Kutschen gerudert werden sollen, je nachdem, welcher Ort am sichersten schien. Am Starnberger See erzählt man sich bis heute Geschichten von Leuten, die eine der Kutschen oder wenigstens Wagenspuren gesehen haben wollen. Auch Boote sollen an jenem Tag vermehrt den See nahe Schloss Berg gekreuzt haben. Der in Schloss Berg anwesende Stabskontrolleur Zanders berichtet, der König habe am Nachmittag des 13. Juni von ihm genau wissen wollen, wie viele Gendarmen im Schlosspark seien, ob sie scharf geladen hätten und gegebenenfalls auf ihn schießen würden. Laut Aussage des Pflegers Mauder, verlangte der König gegen 5 Uhr ein Opernglas und beobachtete damit eingehend den See. – Bei dem Fluchtversuch kam der König ums Leben.

Historische Aufnahme des Gasthof Post mit Pferdefuhrwerk – AK gel 1918 (Sammlung: HK)

Literatur u.a.:

  • Hans F. Nöhbauer, Auf den Spuren König Ludwigs II., München 3. Aufl. 2007 (1986).
  • Susanne Westendorf, Das Starnberger See Buch. Eine Tour um den See, München 1995.
  • Manfred Hummel, Rund um den Starnberger See. Eine nicht alltägliche Entdeckungsreise, München 2011.
  • Artikel „Des Kinis letztes Glas Wasser“, in: Weilheimer Tagblatt, 11. Juni 2011.
  • Hadumod Bußmann, „Ich habe mich vor nichts im Leben gefürchtet“. Die ungewöhnliche Geschichte der Therese Prinzessin von Bayern 1850 – 1925, Berlin 2014 (zuerst: München 2011), S. 124f.

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