Der alte Kalvarienberg liegt versteckt auf einem bewaldeten Hügel nahe Schloss Possenhofen (Foto: HK)
Auf Kaiserin Elisabeths Spuren in Possenhofen
Zum alten Kalvarienberg
Leichte, kurze Wanderung
0:30h
1,8km
54m
54m

Start und Ziel
- S-Bahnhof Possenhofen (Pöcking)
- Parkmöglichkeit

Etappen
- Bahnhof Possenhofen
- Alter Kalvarienberg
- Gasthof „Zum Fischmeister“
- Fischmeisterkapelle
- Bahnhof Possenhofen

Interessantes am Weg
- Historisches Bahnhofsgebäude
- Kaiserin Elisabeth Museum
- Fischmeisterkapelle
- in der Nähe: Schloss Possenhofen; Schiffsanleger Possenhofen

Einkehrmöglichkeiten
Gasthaus „Zum Fischmeister“

Wegbeschreibung
- Der Rundweg beginnt am Bahnhof Possenhofen (Parkmöglichkeit).
- Gegenüber dem Bahnhofsvorplatz mit Sisi-Denkmal folgt man dem Weg nach links in den Wald. Nach 200m in einer Rechtskurve geht es leicht bergab, und nach weiteren 100m gabelt sich der Weg. Wir halten uns rechts, weiter bergab.
- Bevor unser Weg in ein Wohngebiet mündet (Kurt-Stieler-Straße) biegt man links in einen schmalen, zugewachsenen Pfad ein (Beschilderung „Kalvarienberg“).
- Nach 30m lichtet sich das Gestrüpp und ein paar Stufen führen zum Kalvarienberg hinauf: rechts die historische Kreuzigungsgruppe; links am Ende der Berglehne die Ölbergkapelle.
- Der zweite Teil des Rundwegs folgt dem Kreuzweg, der entlang der 14 Kreuzwegstationen hinunter zur Staatsstraße (St 2063) führt. Vorsicht beim Überqueren! Sie ist stark befahren und macht hier eine schlecht einsehbare Kurve!
- Auf der gegenüberliegenden Straßenseite führen Stufen einen Schluchtweg hinunter zum Starzenbach, den man über eine Holzbrücke überquert. Nach der Brücke rechts in den breiten Schotterweg einbiegen.
- Das Bachbett rechter Hand, gelangt man bald ins Wohngebiet Possenhofen. An der Karl-Theodor-Straße links halten, so kommt man in die Fischmeisterstraße.
- Hier befinden sich das historische, jüngst liebevoll restaurierte Gasthaus „Zum Fischmeister“ und die Fischmeisterkapelle.
- (Wer mag, kann an dieser Stelle die Tour individuell erweitern, z.B. das nahe gelegene Schloss Possenhofen umrunden und am Seeufer lustwandeln oder von der nahen Anlegestelle eine Schiffsrundfahrt auf dem Starnberger See antreten.)
- Den Rückweg zum Bahnhof gehen wir – vom „Fischmeister“ aus – die Karl-Theodor-Straße hinauf bis zur Staatsstraße (St 2063). Man überquert sie, um dem Gehweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite nach rechts zu folgen.
- Nach 100m biegt man links in die Straße „Schlossberg“ ein, die hinauf zum Bahnhof Possenhofen führt. Nach etwa 200m erreichen wir den Parkplatz.

Ein Lieblingsort der Kaiserin Elisabeth
Sie ritt gern zu Pferd auf den Kalvarienberg, um die Stille und den Ausblick auf den Starnberger See zu genießen. Kaiserin Elisabeth („Sisi“) war in Schloss Possenhofen aufgewachsen, dem Sommerschloss der herzoglichen Familie „in Bayern“.
1854 wurde sie Kaiserin von Österreich und kam alljährlich im Juni für einige Wochen auf Besuch in die bayerische Heimat. Sie logierte mit Hofstaat im Hotel Strauch im benachbarten Feldafing, dem heutigen „Hotel Kaiserin Elisabeth“.
Bei ihren Reitausflügen und Spaziergängen in der Umgebung suchte sie immer wieder den alten Kalvarienberg auf. Zu Sisis Zeiten war der Hügel noch nicht vollständig bewaldet. Die Aussicht auf den See, die im 19. Jahrhundert gerühmt wurde, kann man heute nur erahnen. Aber die magische Ruhe – unweit des Treibens am See – ist noch immer präsent.
Empfehlenswert ist ein Besuch des liebevoll gestalteten, kleinen Kaiserin Elisabeth Museums im historischen Bahnhofsgebäude Possenhofen, wo dieser Spaziergang startet und endet.

Kulturhistorische Seltenheit: Der Kalvarienberg in Possenhofen
Kalvarienberge sind Nachbildungen der Kreuzigungsszene Jesu Christi (von lat. calvariae locus – die Schädelstätte; griech. golgatha). Der Kalvarienberg in Possenhofen gehört zu den ältesten Bayerns. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges – vermutlich 1648 – stiftete Hofmarkbesitzer Hanns Caspar von Hörwarth die Kreuzigungsgruppe zum Dank für die überstandene Notzeit.
Possenhofen war im Dreißigjährigen Krieg schwer heimgesucht worden von schwedischen und kaiserlichen Heerscharen. Hörwarth wurde gefoltert, kam nur knapp mit dem Leben davon. Auch die Pest wütete mehrfach in Possenhofen (1632, 1646 und 1648/49). Was den Anlass zur Gründung des Kalvarienberges gab – die überstandene Pest oder der Westfälische Frieden – scheint unklar.
200 Jahre später, um 1840, kam die Ölbergkapelle am Ende der Berglehne hinzu. Der Kreuzweg mit 14 Stationen wurde 1937 errichtet. Eigentümerin ist seit 1963 die Landeshaupstadt München, die den Kalvarienberg (mit Teilen des Schlossparks) aus dem Besitz Herzog Luitpolds in Bayern erwarb. Im Jahr 2017 wurde der Kalvarienberg umfassend restauriert.

Gasthaus "Zum Fischmeister"
„Hier wird man trefflich bewirthet und kann sich zu jeder Stunde köstliche Fische des Sees bereiten lassen…“, schreibt Adolph von Schaden 1832 in seiner Beschreibung des Starnberger Sees über das Gasthaus „Zum Fischmeister“ in Possenhofen. Im 19. Jahrhundert war es ein berühmter Anziehungspunkt für Sommerfrischler.
Nach uralter Seeordnung gab es am ganzen Starnberger See nur zwei Fischmeister, auch „Hoffischkäufler“ genannt. Sie hatten die kurfürstliche und königliche Hofküche in München mit Edelfischen zu beliefern. Zu diesem Zweck besaßen sie ein Vorkaufsrecht auf den Fischfang. Sie durften direkt zu den Fischern auf den See hinausfahren und sich die besten Exemplare fangfrisch aussuchen. Die anderen Fischhändler mussten am Ufer warten. Was die Hofküche den Fischmeistern nicht abnahm, durften sie selbst verwenden und weiter verkaufen. Darum galten die Fischmeister in Ambach und Possenhofen als kulinarische „Zufluchtsorte renkenlüsterner Seegäste“ am Starnberger See. (H.K.)
Literatur u.a.:
- Claus-Peter Echter, Beiträge zur Geschichte des Schlosses Possenhofen unter besonderer Berücksichtigung der Baugeschichte, in: Oberbayerisches Archiv (München) (1980), H. 105, S. 237–255.
- Leonhard Poelt, Von Peccingen und Pozzenhoven. Eine Chronik der Altgemeinde Pöcking, Pöcking 1994.
- Gerhard Schober, Schlösser im Fünfseenland. Bayerische Adelssitze rund um den Starnberger See und den Ammersee, Waakirchen op. 2005.






