Auf der Wiese beim Bräuhof in Altlach empfing Ludwig II. Regierungsbeamte (Foto: H.K.)

Talstation Ludwigs II. beim Hochkopf

Bräuhof in Altlach

Talstation Ludwigs II. beim Hochkopf

Bräuhof in Altlach

von Heidi Korte

Am Südufer des Walchensees liegt Altlach – ein Ortsteil der Jachenau, zu dem nur vier Anwesen gehören. Eines davon ist der Bräuhof, einst königliches Forsthaus und Stützpunkt Ludwigs II. Von hier aus trat der König seine Bergfahrten zum Altlacher Hochkopf an. Auf der Wiese vorm Haus erledigte er Staatsgeschäfte und unterhielt sich leutselig mit Förster Anton Bräu…

Förster Anton Bräu über Ludwig II.

Öfters hatte ich als Träger dem König beim Hinaufschaffen des Gepäcks zu helfen. Meist ging Ludwig allein voraus; die Träger mußten eine halbe Stunde später folgen. Ich konnte den König schon verstehen, wenn er allein die verschiedensten Naturstimmungen beobachten wollte, wenn der Mond die fernen Bergspitzen bestrahlte, wenn früh morgens die ersten Sonnenstrahlen die Gipfel ringsum vergoldeten, wenn Nebelschwaden gespenstisch über die Riffe zogen und die verschiedenartigen Gesänge der Vögel die herannahende Morgenröte verkündeten. Nur wer selbst einmal die Natur, die Berge und Seen, am frühen Morgen oder am späten Abend beobachtet hat, wer die Stille und Ruhe der Einsamkeit gerade in solchen Stunden gespürt hat, der wird einen Ludwig II. verstehen, der wird begreifen, was die Natur, die Einsamkeit, diesem Monarchen zu geben vermochte. (vgl. Ludwigs Alpenliebe)

Wenn der König zu spät ankam, um den Aufstieg auf den Hochkopf noch zu beginnen, übernachtete er bei uns. Meist kam in solchen Fällen einige Stunden vor der Ankunft des Königs ein Diener, teilte mir das Vorhaben mit, und äußerte jedesmal den Wunsch des Königs, mit niemandem sprechen zu wollen. Wie war ich dann jedesmal erstaunt, wenn Ludwig sich dann oft bis spät in die Nacht mit mir aufs leutseligste und wirklich herzlichste unterhielt. Mit keinem Bekannten, Verwandten oder besten Freund konnte ich mich derart offen und vertraulich aussprechen, als mit unserem Ludwig. Einige Monate vor des Königs Tod erwarb ich mir ein Bild von einem der Diener. Als Ludwig es über meinem Bett hängen sah, signierte er es und war sichtlich erfreut, daß er mir dadurch eine außergewöhnliche Freude bereiten konnte.

– Erinnerungen des Anton Bräu, in: Hermann Maximilian Hausner, Ludwig II. von Bayern. Berichte der letzten Augenzeugen, München 1962, S. 52-53

Luise von Kobell: Der König beim Regieren im Gebirge

Ein paar Mal wickelten sich zur Sommerszeit die Staatsgeschäfte vor dem Forsthaus in Altlach am Walchensee ab. Der Förster hatte Haus und Flur von oben bis unten scheuern lassen, Stühle und Tisch in eine Wiese gestellt, eine rote Wolldecke darüber gedeckt, einen riesigen Blumenstrauß darauf postiert, seine Dachshunde in die Hundshütte verbannt… Da sprengte der König mit seinem Pferd- und Wagentroß daher. [Kabinettsekretär] Eisenhart erschien mit seinem Portefeuille und der Vortrag fand im Freien statt. Die Szenerie war eigentümlich. Im Hintergrunde der Wiese lagerten die Reitknechte und reihten sich die Fahrzeuge aneinander. Der König setzte sich, die schottische Mütze auf dem Kopf, im Reisekostüm an den Tisch, rückwärts von ihm, stramm aufrecht, zwei Lakaien, vor ihm stand sein Kabinettschef im schwarzen Frack, den Claquehut unter dem Arm, und berichtete mit lauter Stimme über die von den verschiedenen Ministern eingesandten Anträge und Vorschläge; dann und wann mischte sich das Tönen einer Kuhglocke darein, oder das Gekläffe der über ihre Haft erbosten Hunde [des Försters]. – Nachdem der König die letzte Entschließung getroffen und die Unterschriften gefertigt hatte, verabschiedete er leutselig seinen Sekretär, gab ein Zeichen, und wie durch eine Zauberformel verschwand die ganze Gesellschaft. Stumm blieb der Förster noch geraume Zeit vor seinem Hause stehen, hatte er geträumt oder war es Wirklichkeit gewesen?

– Luise von Kobell, Unter den vier ersten Königen Bayerns. Nach Briefen und eigenen Erinnerungen, Bd. 2, München 1894, 242-243.

Wagner über seine vorzeitige Abreise vom Hochkopf:

„[Ich] sehe die Unmöglichkeit ein, hier oben zu genesen, und wende mich morgen, nicht ohne Sorgen gegen die Beschwerden der Reise, nach München zurück, um mich der Behandlung des Arztes zu übergeben… (…) Drei schöne Tage genoß ich hier: sie zeigen mir an, was ich vielleicht andere Jahre hier oben werde finden können, wenn ich, in allem Nöthigen wohl vorbereitet… mich wieder heraufwende.“

– Wagner an Ludwig II., 20. August 1865, vom Hochkopf

Literatur u.a.:

  • Jost Gudelius: Die Jachenau, Jachenau 2008.
  • Hermann H. Hausner: Ludwig II. von Bayern. Berichte der letzten Augenzeugen, München, Salzburg 1962.
  • Luise von Kobell: Unter den vier ersten Königen Bayerns. Nach Briefen und eigenen Erinnerungen, Bd.2, München 1894.
  • Wolfgang Müller, „Ein ewig Rätsel bleiben will ich…“. Wittelsbacher Schicksale: Ludwig II., Otto I. und Sisi, München 1999.
  • Mario Praxmarer, Peter Adam: König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002.
  • Dietmar Schulze: Denkmäler des Märchenkönigs (Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, 2), München 2002.

Empfohlene Zitierweise: 

Heidi Korte, „Bräuhof in Altlach. Talstation Ludwigs II. beim Hochkopf“, in: Königswege, URL: <https://koenigswege.bayern/braeuhof-in-altlach>, zuletzt besucht am: [aktuelles Datum]

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