Am Weg zum Kreuzeck: Blick hinüber zum Schachengebiet im Wettersteingebirge (Foto: H.K.)
„Auf den Bergen ist Freiheit“
Alpenliebe Ludwigs II.
„Auf den Bergen ist Freiheit“
Alpenliebe Ludwigs II.
„Eine so ideale, planmäßige und geniale Steigerung der Alpenliebe hat vor ihm kein Sterblicher, geschweige denn ein Herrschender vollbracht“, so der Schrifsteller Georg Hirth 1902 über Ludwig II.
Obwohl dieser König prächtige Schlösser wie Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee besaß, hielt er sich doch am liebsten in seinen Berghütten auf, im abgeschiedenen Gebirge. Das deuteten manche Zeitgenossen – wenig wohlwollend – als „Flucht“, als Ausdruck von „krankhafter Menschenscheu“ und „Schwermut“.
Dabei hat Ludwig II. in zahlreichen Briefen unmissverständlich selbst bezeugt, warum es ihn in die Bergwelt zog und wie wohltuend die Gebirgsnatur auf ihn wirkte…
von Heidi Korte
Briefzeugnisse Ludwigs II. zu Natur und Gebirge
„…dort, im Anschauen jener großartigen Naturschönheiten wird dem Menschen die Heiligkeit, die ehrfurchterweckende Erhabenheit der Schöpfung klar, seine Seele fühlt sich dem Unendlichen näher, wird zur tiefsten Anbetung gestimmt, zum Lobpreisen des allmächtigen Geistes, der uns geschaffen…“
– Ludwig II. an Sibylle von Leonrod, 30. November 1865
„Nichts ist stärkender für Geist und Körper als viel in Gottes freier Natur sich zu bewegen; dort oben auf freier Bergeshöhe ist die Seele dem Schöpfer näher, schöner und erhabener ist es da als im Qualm der Städte, wo die wahren Freuden ihren Sitz wahrlich nicht haben.“
– Ludwig II. an Sibylle von Leonrod, 29. August 1868
„Welche Sehnsucht habe ich nach den Bergen. – Auf den Bergen ist Freiheit und überall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.“
– Ludwig II. an Sibylle von Leonrod vom 28. August 1870, Schillers „Braut von Messina“ zitierend
Ludwig II. über sein Wohlbefinden in den Bergen
„Es gibt nichts, was das Herz so frei macht und so sehr über die schmerzlichen Eindrücke der menschlichen Dinge erhebt, nichts was so versöhnlich wirkt als die Natur in ihrer ewigen Schönheit und Größe.“
– Ludwig II. an Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, 9. Juni 1879
„Endlich nahten für mich wieder heilere und schönere Tage des Friedens und ruhiger Sammlung, die ich auf den Bergesgipfeln, umweht von balsamisch stärkender Himmelsluft nie vergeblich suche.“
– Ludwig II. an Cosima von Bülow, 8. August 1867
„Im Großen und Ganzen bin ich froh und zufrieden, nämlich auf dem Lande, im herrlichen Gebirge – elend und betrübt, oft im höchsten Grade melancholisch bin ich einzig und allein in der unseligen Stadt.“
– Ludwig II. an die Schauspielerin Marie Dahn-Hausmann, 25. April 1868
Ludwig II. als Naturschützer
„Man soll mir die idyllische Einsamkeit und die romantische Natur, deren Schönheit im Winter noch ungleich größer ist als im Sommer, nicht durch Eisenbahnen und Fabriken stören. Auch für zahlreiche andere Menschen, als ich einer bin, wird die Zeit kommen, in der sie sich nach einem Lande sehnen und zu einem Fleck Erde flüchten, wo die moderne Kultur, Technik, Habgier und Hetze noch eine friedliche Stätte weit vom Lärm, Gewühl, Rauch und Staub der Städte übrig gelassen hat.“
– Ludwig II. im Gespräch mit Ingenieur Anton Memminger, dessen Projekt einer Fernbahn von Kempten ins Inntal der König ablehnte, Herbst 1878
„Auf den Bergen ist Freiheit!
Der Hauch der Grüfte
Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte.
Die Welt ist vollkommen überall,
Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.
Literatur u.a.:
Franz Merta, König Ludwig II. von Bayern als Alpinist und Naturfreund, in: Alpenvereinsjahrbuch „Berg ’91“, München 1991, 251 – 268.
Gisela Haasen (Hg.), Ludwig II. Briefe an seine Erzieherin, München 1995.






