Die Hochkopfhütte (1299 m) ist äußerlich nahezu im Originalzustand (Foto: H.K.)
Königshaus am Altlacher Hochkopf
Hochkopfhütte
Königshaus am Altlacher Hochkopf
Hochkopfhütte
von Heidi Korte
Ein beliebter Aufenthaltsort Ludwigs II. war die Hochkopfhütte (1299 m) am Altlacher Hochkopf auf dem Bergrücken zwischen Walchensee und Isartal. König Max II. ging hier zur Auerhahnjagd. Ludwig II. schätze die Abgeschiedenheit des Ortes und die Ausblicke rund um den Gipfel (1328 m). Hier wurde der zweirädrige Bergwagen eingeweiht. Der Hochkopf ist bis heute ein idyllischer Ort…
Jagdhaus Max' II. zur Auerhahnjagd
Um 1850 ließ König Max II. (reg. 1848-1864) die Hochkopfhütte errichten – als Jagdstützpunkt für Hofjagden. Der eingeschossige Bau ist ganz mit Holzschindeln verkleidet und von außen – mit Ausnahme der einst vollständig umlaufenden Veranda – weitgehend im Originalzustand. Innen bestand das Jagdhaus aus vier Räumen: königliches Schlafzimmer, „Salon“, Gästezimmer und Lakaienzimmer.
König Max ging am Hochkopf zur Auerhahnjagd. Zum Verständnis der Anekdote von Franz von Kobell (siehe unten) muss man wissen: Auf den Auerhahn wird im April/Mai während der Balzzeit gejagt. Das Balzlied des Hahns besteht aus vier Teilen. Während des letzten Teiles („Wetzen“) ist er für 3 bis 4 Sekunden fast taub. Dies macht sich der Jäger beim Anpirschen („Anspringen“) zunutze, um sich dem Hahn unbemerkt zu nähern. – Heute genießt Auerwild in Deutschland ganzjährig Schonzeit, da es vom Aussterben bedroht ist.
Franz von Kobell: Hofjagd am Hochkopf (Anekdote)
„Bei’m Auerhahnfalz [= -balz] auf dem Hochkopf am Wallersee sprang der König [=Max II.] einen Hahn an, der Revierförster hinter ihm. Der König war dem Hahn schon ganz nahe gekommen und wollte nur noch einen Schritt vorwärts, um ihn zu sehen. Da ergriff den Jäger die Besorgniß, daß sich der König den Hahn verderben könnte und weil kein Augenblick zu verlieren, so packte er den Herrn, ihn mit beiden Armen umschlingend und hielt ihn fest, bis der Falz erlaubte, ihm zuzuflüstern, nicht mehr weiter zu gehen. Der Fall war umso seltsamer, als dieser Jäger, überhaupt von schüchterner Natur, gegenüber der Majestät immer höchst befangen war und nur als ein Act der Verzweiflung konnte es angesehen werden, daß er über dem gefährdeten Waidwerk alles andere vergaß. Der König erzählte den Vorfall bei der Zusammenkunft der Schützen in der heitersten Weise. Diese Art, dergleichen Vorfälle aufzunehmen, machte ihn überall beliebt und mit Freuden thaten die Jäger wie Treiber ihr Möglichstes, eine Jagd gelingen zu machen.“
– Franz von Kobell, Erinnerungsblatt an König Maximilian II., 1864.
Ausbau für Bergwagen Ludwigs II.
Ludwig II. (reg. 1864-1886) nutze das Pürschhaus seines Vaters als Rückzugsort. 1870 ließ er durch Zimmermeister Paul Schwarzenberger aus Lenggries zusätzliche Nebengebäude am Hochkopf errichten: Küchengebäude, Hütte für Wegearbeiter, Jagdgehilfenwohnung und einen größeren Pferdestall.
Der sportliche König hatte sich 1870 einen Leistenbruch zugezogen und musste seine Reitleidenschaft einschränken. Damit er nicht auf die geliebten Bergfahrten verzichten musste, wurde ein besonderes Gefährt konstruiert: der Bergwagen – ein niedrig gebauter, korbartiger Wagen auf zwei Rädern ohne Kutschersitz; das Zugpferd wurde von einem Lakaien an der Hand geführt; durch eine nachschleifende zweizackige, eiserne Gabel kam der Wagen an steilen Stellen sicher zum Stehen. Am Rundweg um den Hochkopfgipfel (vgl. Königsweg „Hochkopf-Gipfelrunde„) hat Se. Majestät das neue Gefährt im Sommer 1870 erfolgreich getestet.
Darum wurden die Reitwege verbreitert und zusätzlich Unterstand geschaffen: für den Bergwagen und ein Wagenzugpferd. Auch der Ausbau anderer „Bergresidenzen“ ist so unter anderem zu erklären.
Hofkoch Theodor Hierneis beschreibt die Hütte:
„…drei einfache Zimmer für den König. Sie sind mit geringen Mitteln etwas wohnlich gemacht, der Boden ist mit einem grauen rupfenähnlichen Wollteppich belegt, die Wände mit Jagdstichen und Familienbildern behängt. Im Schlafzimmer ein runder Tisch mit einer Petroleumlampe, in der einen Zimmerecke ein Kachelofen, in der anderen das simple hölzerne Bettgestell, dazu ein paar Stühle, ein geschnitztes Kruzifix – wahrlich armselig im Kontrast zu Schloß Linderhof oder Herrenchiemsee.“
– Theodor Hierneis, „Erinnerungen aus der Hofküche König Ludwigs II. von Bayern“
Ludwig II. vom Hochkopf:
„Hier wohne ich in einer stillen und trauten Hütte, umgeben von herrlichen Tannen mit frischem Grün geschmückt; durch eine Lichtung blicke ich in herrliche Fernen, Berge und Thäler liegen vor mir ausgebreitet…“
– Brief Ludwigs II. an Richard Wagner vom Hochkopf am 19. Juli 1865
„Gestern begab ich mich nach dem geräuschvoll unruhigen Treiben des Tages (Fronleichnam) hieher nach dem abgeschiedenen, trauten Hochkopf, wo ich auflebe in wonniger Einsamkeit, fern der Welt, die stets mich verkennt und mit der auch ich mich nie und nimmer befreunden kann und will. – Warum diese stille, einfache Hütte mir werth u. theuer ist und zwar werther als alle königlichen Schlösser mit ihrem Glanz und hohlen Prunk, brauche ich dem Theuren wohl kaum zu sagen; denn die traute Stätte war ja auch für Ihn ein Zufluchtsort…“
– Brief Ludwigs II. an Richard Wagner vom Hochkopf am 21. Juni 1867
Ludwigs II. Aufenthalte am Hochkopf
In den ersten Regierungsjahren (1864-1870) kam Ludwig II. im Rahmen von Reitausflügen zum Hochkopf; im Schickalsjahr 1866 – nach der Niederlage gegen Preußen – hatte er das Bedürfnis, hier allein seinen Geburtstag (25. August) zu verbringen. Nur ein weiteres Mal feierte Ludwig sein Geburts- und Namensfest in der Hochkopfhütte: im Jahr 1878. Sonst war er am 25. August in der Regel auf dem Schachen.
Nachdem das Bergfahrtenprogramm etabliert war (1871-1886), kam der König alljährlich im Mai für 4-5 Tage. Bis 1881 war der 22. Mai (Wagners Geburstag) stets inbegriffen; ab 1882 fielen die Aufenthalte auf den 14. bis 18. Mai. Die Anreise Ludwigs erfolgte in der Regel von Vorderriß. Vom Hochkopf begab er sich weiter nach Linderhof. Laut Itinerar (Franz Merta) gab es von diesem alljährlichen Ablauf nur wenige Ausnahmen.
Thomas Osterauer mit Ludwig II. am Hochkopf 1885:
„Wir kamen auf den Hochkopf, da oben hatte es viel Schnee, war aber nicht kalt. Wir sahen im Walchensee drunten die Leute in Hemdsärmel Kahnfahren.
Bei Nacht gingen wir, auch Weber und Huber waren dabei, mit dem König um den Hochkopf spazieren, aber das unheimliche Geräusch der Käutzchen vertrieb Majestät bei Zeiten, und wir gingen wieder ins Haus zurück.
Den Berg hinunter ging’s zu Fuß, mit den Pferden war da nichts zu machen. Der Weg war nicht sehr breit, manchmal vom Mond beschienen, dann wieder dunkel. Ich stolperte öfters über Wurzel und Steine. Der König führte mich dann am Arm und sagte: „Ich glaube, du siehst bei Nacht nicht gut.“
– Thomas Osterauer (Gefreiter des 3. Cheveaulegers-Regiments, ab Mai 1885 im persönlichen Dienst des Königs), „Persönliche Erinnerungen an König Ludwigs II.“, 1931
Hochkopfhütte 1886 bis heute
Nach Ludwigs Tod (13. Juni 1886) wurde die Hütte wieder für königliche Jagdgesellschaften genutzt. Doch nach der Revolution 1918 war sie offenbar in einem „verwahrlosten Zustand“. Der Touristenverein „Naturfreunde“ setzte die Hütte 1920 instand und bewirtschaftete sie bis 1933 jeden Sommer als Einkehr. Dann nutzte die Forstverwaltung den Bau als Diensthütte. Zuerst war das Forstamt Fall zuständig, zuletzt Bad Tölz.
Nach langen Verhandlungen schloss der Deutsche Alpenverein (Sektion Vierseenland) im Jahr 2001 mit den Staatsforsten einen Pachtvertrag für die denkmalgeschützte Hütte. Man übernahm auch die – längst fällige – Restaurierung unter Auflagen des Denkmalamtes. Seit der Fertigstellung 2003 wird die Hochkopfhütte von DAV-Mitgliedern als Selbstversorgerhütte genutzt.
Von der Innenausstattung aus der Zeit Ludwigs II. existieren noch: ein Kachelofen, hölzerne Wandverkleidungen mit Edelweiß- und Herzornamenten und zwei Fensterläden.
Ausblicke rund um den Hochkopf
Wer von Altlach aus zur Hochkopfhütte wandert (s. Königsweg Zur Hochkopfhütte), wird mit einer herrlichen Aussicht belohnt:
- Von der Giebelseite der Hütte hat man Fernsicht zum Wettersteingebirge mit Schachen und Zugspitze. Der Blick geht über den Isartalboden mit Wallgau, Krün und Barmsee bis zum Soierngebirge.
Um den Gipfel führte ein Rundweg (s. Könisgweg Hochkopf-Gipfelrunde), der auch den Blick nach Norden über den Walchensee zum Herzogstand eröffnet. Dieser Weg war mit Ruhebänken und Parapluis ausgestattet und so ausgebaut, dass er mit dem zweirädrigen Bergwagen befahren werden konnte.
Literatur u.a.:
- Jost Gudelius: Die Jachenau, Jachenau 2008.
- Hannes und Karin Heindl: Ludwigs heimliche Residenzen, München 1986.
- Christian Hörter: Auf königlichen Pfaden zu Schlössern und Jagdhütten im Alpenvorland, München 2011.
- Franz von Kobell: Erinnerungsblatt an König Maximilian II., München 1864.
- Franz Merta: Die Aufenthalte des Königs in den Residenzen, Schlössern und Berghäusern, in: Hans Rall, Michael Petzet, Franz Merta (Hgg.), König Ludwig II. – Wirklichkeit und Rätsel, München 2005, S. 153-192.
- Mario Praxmarer, Peter Adam: König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002, 19-29.
Empfohlene Zitierweise:
Heidi Korte, „Hochkopfhütte. Königshaus am Altlacher Hochkopf“, in: Königswege, URL: <https://koenigswege.bayern/hochkopfhuette>, zuletzt besucht am: [aktuelles Datum]










