Der Schlosspark bietet vielfältige Ausblicke auf die Königsvilla (Foto: HK)

Codename „T’meicos Ettal“

Schloss Linderhof

von Heidi Korte

Codename „T’meicos Ettal“

Schloss Linderhof

von Heidi Korte

Max II. besaß mitten im Ammergebirge – im Graswangtal beim Linderhof – zu Jagdzwecken ein Königshäuschen. Dort ließ Ludwig II. Schloss Linderhof errichten, zum Gedenken an das französische Bourbonenkönigtum. Der Platz im Graswangtal reichte nicht für ein zweites „Versailles“. Dafür entstand eine prächtige „Königliche Villa“ umgeben von Schlosspark, Wasserspielen und einer Reihe besonderer Parkbauten…

O Himmel! Sie sind noch so jung!

O Himmel, mein Ludwig! Sie sind so jung, so neu noch in dieser Welt! Ausser einigen Schlössern Ihres Landes kennen Sie fast nur noch München: diess dünkt Ihnen Bayern, die Münchener Residenzbevölkerung Ihr Volk! Verzeihen Sie… Wird Ihnen die Welt stets so erscheinen, wie sie Ihnen jetzt dünkt? Gewiss nicht! Sie werden, indem Sie zum männlichen Alter reifen, die Welt erweitert finden, Ihrer Ansprüche gegen sie Sich bewusst werden… erst dann dürften Sie die Macht vermissen, die jetzt als beengende Last auf Sie drückt: Sie werden dann vielleicht erkennen, wie Sie schon jetzt die Macht hätten verwenden sollen, um mächtige Zwecke zu erreichen; die Sehnsucht, das Versäumte nachzuholen, wird Sie stacheln, und – Sie werden dann Sich ohnmächtig fühlen! Königthum – glauben Sie! – ist eine Religion! Ein König glaubt an sich, oder er ist es nicht. Wie, wenn dieser Glaube Ihnen aber nur jetzt fehlte, wenn er aber dennoch tief in Ihnen läge, und erst dann hell in Ihr Bewusstsein träte, wenn Sie die Berechtigung zu diesem Glauben von sich gegeben hätten?

– Richard Wagner, Brief an Ludwig II. (Auszug), 24. Juli 1866

Notiz Ludwigs II. - Gottesgnadentum als Glaube der Menschen in die Könige

Wunderbare, magische Gewalt des königlichen Namens! Du borgtest Deine Macht nicht von der Stärke der Waffen, nicht von dem Rechte über Leben u. Tod, u. Ehre der Menschen, nicht von den Schätzen, die des Fürsten Hand vertheilen kann, nicht von dem Glanze, der den Thron umleuchtet, – Du bist eine Macht von Oben her, ein Glaube, der die Geister bindet, wie das stille Gesetz der Schwere der Welten, u. weil Gott solchen Glauben für Uns Könige in die Herzen der Menschen gelegt, darum nennen wir uns mit Recht: >von Gottes Gnaden Könige<. – Ludwig II., Tagebuchnotiz vom 8. Januar 1868

Diese poetische Interpretation von Gottesgnadentum hat Ludwig II. in sein Tagebuch notiert, weil er sich – wie man annehmen darf – davon angesprochen fühlte. Es handelt sich um ein Zitat aus dem Drama „Die Royalisten oder Cromwell, General“ (1841) von Ernst Raupach (1784-1852).  – Das Stück spielt zur Zeit der englischen Revolutionen des 17. Jahrhunderts und thematisiert den Machtkampf zwischen Königtum und Republikanern. Die Figur König Karls I. steht bei Raupach für die alte, göttlich legitimierte Ordnung und das Ideal des sittlich verantwortlichen Herrschers. Dagegen verkörpert Oliver Cromwell den machtgierigen Revolutionär, der rücksichtslos und zerstörerisch vorgeht und im Chaos, das er anrichtet, an seiner Hybris scheitert. Raupachs Stück verteidigt christlich-monarchische Prinzipien als Garanten von Stabilität und Zusammenhalt. Es warnt vor Revolutionen, die im Namen der Freiheit beginnen und in moralischer Zerstörung und Tyrannei enden.

Literatur u.a.:

Vanessa Voit, Vom Lynder-Hof zum Schloss, hrsg. Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München 2012.

Ludwig Hüttl, Ludwig II. König von Bayern, München 1990, 244-267.

Schloss Linderhof. Amtlicher Führer, hrsg. Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, bearb. von Elmar D. Schmid u. Gerhard Hojer, München 2006.

Hans F. Nöhbauer, Auf den Spuren König Ludwigs II., München 1995.

Maria Seitz, Ludwig II. König von Bayern. Ein Wittelsbacher zwischen Kunst und Tragik, Darmstadt 2011.

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