Abendsonne am Herzogstand – Ausblick ins Soierngebirge (Foto: H.K.)
Bergresidenz mit Alpenpanorama
Herzogstand
Bergresidenz mit Alpenpanorama
Herzogstand
von Heidi Korte
Der Herzogstand war ein beliebtes Jagdrevier der Wittelsbacher. Max II. erschloss das Gebiet durch den Reitweg vom Kesselbergpass. Ludwig II. erweiterte den Jagdstützpunkt seines Vaters zur Bergresidenz. Ein Königshaus mit Aussichtsplattform und drei Pavillons ringsum auf den Gipfeln – das spricht für die grandiose Fernsicht, die sich hier bietet…
Vom Wittelsbacher Jagdrevier zur Bergresidenz
Der gesamte Bergstock mit Herzogstand, Martinskopf und Fahrenberg hieß ursprünglich „Großer Farchenberg“ („Farche“ = Föhre, Kiefer). Der Name „Herzogstand“ entstand im Volksmund des 16. Jahrhunderts, als die Bayernherzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. das wildreiche Gebiet zur Jagd nutzten.
Wie fast alle Wittelsbacher, war auch König Max II. (reg. 1848-1864) ein leidenschaftlicher Jäger. Er ließ 1859 ein Pürschhaus unterhalb des Herzogstandsattels (1575 m) errichten. Zuvor erfolgte der Bau des königlichen Reitwegs ab Kesselbergpass. Die Hofjagdgesellschaft kam nun auf Bergpferden ins Jagdgebiet.
Ludwig II. (reg. 1864-1886) war kein Freund der Jagd. Aber er liebte die Alpen (vgl. Ludwigs Alpenliebe) und die herrlich gelegenen Stützpunkte, die sein Vater etabliert hatte. Als junger König ließ er ein großes „Königshaus“ mit 8 Zimmern am Herzogstandsattel (1575 m) errichten. 1867 war es bezugsfertig: Es stand auf einem gemauerten Steinsockel mit umlaufendem Holzgeländer und Veranda. Der Clou war die Aussichtsplattform auf dem Dach.
Ludwig II. am Herzogstand
Angesichts des grandiosen Gebirgspanoramas ließ Ludwig II. ringsum auf drei Gipfeln Aussichtshütten errichten: 1866 auf dem Herzogstandgipfel (1731 m), 1877 auf dem Fahrenberg (1627 m) und 1882 auf dem Martinskopf (1674 m). Ludwig las und arbeitete gern mit Aussicht. Daher verfügten die Pavillons über Tisch und Stühle. Neben zwei der Pavillons stand jeweils eine „Kochhütte“, für warme Mahlzeiten am Gipfel. Heute existiert nur noch am Hauptgipfel eine achteckige Aussichtsrotunde.
Ludwig übernachtete erstmals vom 12. bis 16. Juli 1867 im Königshaus am Herzogstand. Danach bekam der Berg einen festen Platz im Rahmen seines Bergfahrten-Programms: alljährlich im Juni oder Juli war der König für ein paar Tage hier. Die Anreise erfolgte stets vom Starnberger See über Kochel, wo er im Kurhotel Rast machte. Zum letzten Mal war Ludwig 1885 am Herzogstand. Im Jahr darauf kam er am 13. Juni ums Leben.
Bei Ludwigs Tod 1886 umfasste die hiesige Hinterlassenschaft: das Königshaus, das Pürschhaus des Vaters mit Stallungen und Remise sowie die drei Gipfelpavillons. Der Deutsche Alpenverein (Sektion München) pachtete die Häuser von 1887 bis 1959. Dann verkaufte der Freistaat Bayern sie in Privatbesitz. Seither bewirtschaftet Familie Zauner aus Kochel den Herzogstand.
Die Katastrophe von 1990
Von den Gebäuden Ludwigs II. am Herzogstand ist heute keines mehr erhalten. Im November 1990 kam es wegen eines defekten Kamins zu einem Großbrand. Alle Häuser am Herzogstandsattel – auch das historische Königshaus Ludwigs II. – wurden ein Raub der Flammen. – Das neue Berggasthaus eröffnete 1992.
Ludwigbüste beim Berggasthaus
Eine Bronzebüste Ludwigs II. befindet sich etwa 15 m entfernt vom Berggasthaus am Herzogstandsattel. Sie ist 60 cm groß und steht auf einem 1,50 m hohen Sockel. 1986 anlässlich des 100. Todestages wurde sie errichtet – an einer Stelle, wo der König seinerzeit oft gesessen und die Bergkulisse genossen haben soll. Als Inschrift steht auf der Tafel:
SM KÖNIG LUDWIG II / zum 100. Todestag / 13. Juni 1986 / Dem Freunde des Herzogstandes / Unserem unvergessenen König / Gemeinde Kochel am See / König Ludwig Club München
Hort der Freiheit
„Diese Zeilen schreibe ich in einer meiner trautesten, am schönsten gelegenen Gebirgshütten zwischen dem Kochel- und Walchensee, heilige Stille umgibt mich, die Wonnesterne leuchten, so ernst und erhaben umlagern mich die Berge, die ein sichrer Hort sind der Freiheit von den beengenden Fesseln des armseligen Erdenlebens… (…).“
– Brief Ludwigs II. an Cosima von Bülow vom „Herzogenstand“, 16. Juni 1868
Blitzschläge zerstören Pirschhaus und Pavillons
Auf die Sturm- und Blitzschlaggefahr am Herzogstand hatte der königliche Revierförster Andreas Bräu aus Altlach wohl vergeblich hingewiesen, als er 1865 ein Gutachten zum königlichen Bauvorhaben erstellte. So geschah es: Zwei der Pavillons verbrannten nach Blitzschlag: 1893 der auf dem Martinskopf, 1895 der auf dem Herzogstandgipfel. – 1895 brannte bei einem Gewitter auch das Pürschhaus Max II. nieder. Es wurde nicht wieder errichtet.
Neuer Gipfel-Pavillon seit 1898
1896 baute man quer zum Königshaus am Sattel ein Gasthaus. Mit dem einsetzenden Tourismus diente das Königshaus Ludwigs II. als zusätzliches Schlafhaus. Die Aussichtsplattform auf dem Dach wurde abgebaut. Der Herzogstand-Pavillon wurde 1898 neu errichtet und wird bis heute in Stand gehalten. Die Windhütte auf dem Fahrenbergkopf wurde nach der Jahrhundertwende abgetragen und am Sattel als Mulistall verwendet.
Literatur u.a.:
- Jost Knauss, Siegfried Zauner: Der Herzogstand zwischen Kochel- und Walchensee. Alte und neue Informationen zur Geschichte des berühmten Berges. Eine Dokumentation (Mitteilungen des Vereins für Heimatgeschichte im Zweiseenland Kochel e.V.), Kochel 2010.
- Mario Praxmarer, Peter Adam: König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002.
- Dietmar Schulze: Ludwig II. Denkmäler eines Märchenkönigs (Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, 2), München 2011.
Empfohlene Zitierweise:
Heidi Korte, „Herzogstand. Bergresidenz mit Alpenpanorama“, in: Königswege, URL: <https://koenigswege.bayern/herzogstand>, zuletzt besucht am: [aktuelles Datum]





