Die Roseninsel – einzige Insel im Starnberger See (Foto: HK)
Inselidylle im Starnberger See
Roseninsel
von Heidi Korte
Inselidylle im Starnberger See
Roseninsel
von Heidi Korte
Einst Privatinsel der bayerischen Königsfamilie – heute Geheimtipp für Liebhaber romantischer Gartenbaukunst: Auf der Roseninsel im Starnberger See schuf Peter Joseph Lenné für König Max II. einen Inselpark, der die Landschaft des Sees ideal in Szene setzt. Eine Kahnfahrt führt in die Idylle mit Rosengarten und Inselvilla…
Von der Wörth zur Roseninsel
Ihren jetzigen Namen verdankt die Insel dem Rosengarten, der 1851 angelegt wurde. Bis dahin trug sie den Namen „Wörth“, einen typischen Inselnamen aus der Zeit des Mittelalters. Auch der See hieß zu Zeiten des Königreichs Bayern noch anders: „Würmsee“, benannt nach dem Flüsschen Würm, das bei Starnberg nach Norden abfließt. Der Name „Starnberger See“ wurde erst 1962 offiziell festgeschrieben, war jedoch schon früher gebräuchlich.
Mit der Zille zur Insel
Die Roseninsel ist das einzige Eiland im Starnberger See. Sie liegt am Westufer in der Feldafinger Bucht. Von Mai bis Oktober kann man sich vom Fährmann mit der Zille – dem traditionellen kiellosen Holzkahn – übersetzen lassen. Vom Glockensteg dauert die Überfahrt wenige Minuten. 170 Meter entfernt vom touristischen Treiben am Festland betritt man das einzigartige Inselidyll. Beschirmt von dichter Uferbepflanzung liegt die lichtdurchflutete Parklandschaft mit Villa im pompejanischen Stil und prachtvollem Rosengarten. Informationen zum Fährbetrieb gibt’s hier: Bernhard Zillner – Fährbetrieb Roseninsel
Inselpark der bayerischen Könige
König Max II. kaufte die Insel „Wörth im Würmsee“ am 8. Oktober 1850 von der Fischerfamilie Kugelmüller für 3000 Gulden. Das damals knapp 2 Hektar große Eiland – durch Verlandung auf heute 2,5 Hektar gewachsen – sollte zum Sommerdomizil der königlichen Familie werden.
Für die Planung engagierte der bayerische König den preußischen Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné (1789-1866). Dieser hatte sich um die königlich-preußischen Hofgärten von Potsdam verdient gemacht. Auf Wunsch Max II. sollten die preußischen Gärten der Roseninsel zum Vorbild dienen.
Lenné gestaltete den Inselpark zu einem Beispiel des Historismus in der Gartenbaukunst, als Idealbild einer Naturlandschaft: Sanft geschwungene Wege als „stumme Führer“ durch wechselnde Landschaftsbilder; sorgfältig geplante, durch Baumpflanzung gezielt in Szene gesetzte Sichtfenster zum Starnberger See mit seiner grandiosen Alpenkulisse. – Man begreift sofort, weshalb Ludwig II. und Kaiserin Sisi so gerne hier waren: Das zauberhafte Inselparadies vermittelt Ruhe und Harmonie und verströmt einen wunderbaren Duft.
Geruchskonzert und Farbenschmelz
„Näherte man sich der Roseninsel auf den Fluten des Starnberger See, so entstieg dem Eiland ein so ätherisches Geruchskonzert, wie man es nur in Persien gesucht hätte. Und welchen sanften Farbenschmelz hat hier die Gartenkunst hervorgebracht durch die Zentifolie, Moos-, Thee-, Bibernell-, Zimmt-, Pompon-, Monats-, Bourbon-, Bischofs-, Moschus-, Pfingstrose und durch die lieblichen Burgunder- und Dijonröschen.“
– Louise von Kobell, König Ludwig II. und die Kunst, München 1898
Ein bayerisch-preußischer Rosengarten
Den Mittelpunkt der Insel bildet das Rosarium – eine im 19. Jahrhundert beliebte Art der Gartenanlage, in der man Rosensorten aus aller Welt sammelte, arrangierte und präsentierte.
Vorbilder für das Rosarium waren zwei Rosengärten in Potsdam, die Peter Joseph Lenné für die preußischen Könige entworfen hatte: Der Rosengarten auf der Pfaueninsel (1821) galt seinerzeit als eine der schönsten und umfangreichsten Rosensammlungen Europas; unverkennbar wurde das Thema „Insel mit Rosengarten als Sommersitz“ am Starnberger See aufgegriffen. – Außerdem hatte Lenné im Garten von Schloss Charlottenhof (1835) ein Rosarium kreiert. Charlottenhof liegt im Park Sanssouci in Potsdam und war Sommerschloss Friedrich Wilhelms IV. (ab 1840 König von Preußen) und seiner bayerischen Gemahlin Elisabeth Ludovika.
Auf Wunsch König Max‘ II. entwarf Lenné das Rosarium für die Roseninsel als (nahezu) exakte Kopie des Charlottenhofer Rosengartens – ein Ausdruck seiner Wertschätzung für die bayerisch-preußischen Familienverbindungen: Max II. war mit Marie von Preußen (1825-1889) verheiratet, einer Nichte König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen; dessen Gattin Elisabeth Ludovika (1801-1873) war eine Schwester König Ludwigs I. von Bayern und Tante König Max‘ II.
Aktuelle Hinweise zur Rosenblüte gibt’s hier – auf der Seite der Bayerischen Schlösserverwaltung!
Die Geometrie des Rosengartens
ein ovales Rondell mit Hunderten historischer Hochstamm- und Strauchrosen. Die geometrische Anlage im Stil französischer Gärten steht im Kontrast zum englischen Stil der umliegenden Insellandschaft.
Rosenliebhaber sollten die Insel zur Rosenblüte besuchen: Die erste Blüte ist in der Regel Mitte Juni, die zweite Mitte August. Die Rosen blühen jeweils etwa vier Wochen lang.
Die 5,5 m hohe Säule im Zentrum des Rondells war ein Geschenk des Preußenkönigs, als Zeichen verwandtschaftlicher Verbundenheit. Unter Max II. wurden weit über 1000 Rosen gepflanzt; Ludwig II. ließ weitere 1000 ergänzen.
Ausdruck der Heiratsverbindungen zwischen der bayerischen und preußischen Königsfamilie.Königin Marie von Bayern war die Cousine Wilhelms IV. von Preußen.
Spielhaus für Sommertage
Etwas Besonderes ist das „Casino“, die königliche Sommervilla auf der Roseninsel. Der bayerische Architekt Franz Jakob Kreuter (1813-1889) entwarf den zweigeschossigen Bau als eine Mischung aus antik-pompejanischer Villa, toskanischem Landhaus und „national-bayerisch“-alpenländischem Gebirgshaus. Gebaut wurde 1851 bis 1853. Die Bezeichnung „Casino“ (= Spielhaus) erklärt die Funktion des Gebäudes: Es diente der königlichen Familie als privater Rückzugsort, zur Erholung bei Tagesausflügen von Schloss Berg. Koch- und Schlafgelegenheiten des Hauses fallen entsprechend provisorisch aus. Dafür bietet die romantische Villa mit Terrassen, Lauben, Balkonen und Aussichtsturm unzählige Möglichkeiten, einen Sommertag angenehm zu verbringen. Im Rahmen einer Führung können die Innenräume besichtigt werden. Besonders sehenswert ist der Speisesaal im Obergeschoss mit kunstvoller Kassettendecke, Viktorien-Figuren von Schwanthaler und klassizistischem Keramik-Kaminofen.
Touristen kommen
Unter Max II. begann die touristische Erschließung des Starnberger See. 1851 ging dort der erste Raddampfer in Betrieb. Ab 1854 brachte die neue Eisenbahnstrecke München-Starnberg immer mehr Münchner und „Sommerfrischler“ an den See. Max II. ließ sich für private Zwecke ein Raddampferboot bauen. Ludwig II. übernahm den Dampfer und nannte ihn „Tristan“.
Die Blütezeit der Roseninsel endete mit Ludwigs Tod 1886. Danach begann der Verfall. 1970 kaufte der Freistaat Bayern die verwilderte Insel aus dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Die Bayerische Schlössverwaltung arbeitet seit 1997 an der originalgetreuen Wiederherstellung und Erhaltung von Park und Casino auf der Roseninsel.
Besucherinformationen vom Förderkreis Roseninsel e.V. gibt es hier!
Literatur u.a.:
Die Roseninsel im Starnberger See. Amtlicher Führer, berab. v. Elmar D. Schmid, München (Bayerische Schlösserverwaltung) 2006.
Martha Schad, Romanzen auf der Roseninsel, Rosenheim 2007.





