Die Ludwig-Initialen aus Feuer scheinen am Nachthimmel über dem Dorf zu schweben (Foto: H.K.)
Feuer und Flamme für den König
Ludwigfeuer in Oberammergau
von Heidi Korte
Feuer und Flamme für den König
Ludwigfeuer in Oberammergau
von Heidi Korte
Jedes Jahr zum Geburtstag Ludwigs II. veranstaltet die Gemeinde Oberammergau ihr traditionelles „Ludwigfeuer“. Die Ammergauer „Feuerer“ legen sich besonders ins Zeug: Zu Ehren des Königs errichten sie riesige Bilder aus Feuer und Flammen. Krone, Kreuz und Ludwig-Initialen sind hier Tradition. Sie zeugen von der Verbundenheit des Ortes mit König Ludwig II. – die auf Gegenseitigkeit beruhte.
80 königstreue Feuerer
Im Oberland war man stets königstreu. Darum wird ein Brauch hier besonders hochgehalten: Jährlich am 24. August – dem Vorabend des Geburts- und Namenstags Ludwigs II. (1845-1886) – lodern vielerorts zu Ehren des Königs auf den Bergen die Ludwigfeuer. Aber das Feuer von Oberammergau – ortsüblich „Luggi Fei’r“ genannt – ist einzigartig:
Die Ammergauer „Feuerer“, gut 80 engagierte Männer, sind im wahrsten Sinne des Wortes Feuer und Flamme für den König. Es ist eine Ehre, dabei zu sein – denn nicht Jeder darf auf die Berge, um die Feuer vorzubereiten und zu zünden. Das will gekonnt sein.
Krone, Kreuz und Ludwig-Initialen
Schon im Mai wird alljährlich das Holz geschnitten und zum Trocknen ausgelegt. In mühevoller Arbeit trägt man die schweren Brennholzscheite hinauf zum Kofelfleck. Dort am Fuße der Steilwand des Kofel, des Oberammergauer Hausbergs, wird ein riesiges Kreuz (25 Meter lang) aus Holzstößen aufgeschichtet.
Auf dem Kofelgipfel in 1342 Metern Höhe entsteht eine 14 Meter große Königskrone. Diese Arbeit ist 14 ausgewählten Männern vorbehalten, den „Kronerern“. Die Krone besteht aus einem Holzgerüst aus Fichtenstangen, das erst am Morgen des 24. August zusammengebaut wird. Am Abend werden 110 Töpfe mit einer (umweltschonenden) Brennpaste an das Gerüst gehängt.
Auf dem gegenüberliegenden Hang im „Wiesenmahd“ formt man ein riesiges, kunstvoll geschwungenes „L“ und eine römische „II“ aus brennenden Fackeln. Zwei weitere Kreuze von 10 Metern Höhe gibt es am Laberköpferl und Laber; und zwei große Holzfeuerstöße am Rappenkof und am Aufacker. Insgesamt bringt Oberammergau sieben Bergfeuer zusammen!
Ludwig-Gedenken mit Leuchtkugeln und Bayernhymne
Wenn die Feuerer auf die Berge hinaufziehen, sind im Tal ihre entfernten Stimmen zu hören. Ab und an ertönen Böller und Jodler zwischen Berg und Tal. Endlich, bei Einbruch der Dunkelheit gegen 21 Uhr, drei donnernde Kanonenschüsse: das Signal zum gleichzeitigen Entfachen der Feuer! Die Oberammergauer Blaskapelle spielt Beethovens Choral „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“. Indessen beginnen auf den umliegenden Höhen die Bergfeuer heller und heller zu brennen. Bald lodern die Gipfelkrone, das Kreuz am Kofelfleck und die Initialen des Königs am Aufacker. Am schwarzen Nachthimmel scheint es, als ob die Feuerbilder frei über dem Ort schwebten. Immer wieder steigen rote, grüne und weiße Leuchtkugeln auf und lassen Hänge und Felswand des Kofel sichtbar werden. Gut zwei Stunden währt die stimmungsvolle Atmosphäre.
Zum Abschluss, wenn die Holzstöße weitgehend abgebrannt sind, ertönt die Bayernhymne („Gott mir dir, du Land der Bayern“). Dann steigen die Feuermacher mit Fackeln hinab ins Dorf. Wie ein langer, glühender Wurm schlängelt sich der Zug den Berghang hinunter. Im Ort werden die Männer gebührend empfangen. Man feiert bis in die Morgenstunden im Gasthof „Rose“ – denn der König erblickte ja um 0.30 Uhr am 25. August das Licht der Welt.
Ludwigfeuer als Tradition
„Da hab ich aber schon Größeres gesehen…“, sagt ein Tourist nach der Feier. Ja, wenn man das Ludwigfeuer von Oberammergau mit Feuerwerken vergleicht, die anderswo extra für Touristen abgebrannt werden. Aber zu diesem Zwecke sind die Ludwigfeuer im Oberland nicht entstanden.
Ludwigfeuer sind gelebte Tradition. Es gab sie schon zu Lebzeiten des Königs, der Feuerzauber und Feuerwerk liebte. Man entzündete Bergfeuer, um ihm Freude zu bereiten und dem Königshaus seine Anhänglichkeit zu zeigen. Ludwig II. verbrachte seinen Geburtstag regelmäßig im Königshaus auf dem Schachen im Werdenfelser Land. Ihm zu Ehren entzündeten die Talorte unzählige Feuer auf den umliegenden Bergen. Andere Ortschaften – sogar bis nach Tirol – schlossen sich an. So kamen die „Ludwigfeuer“ zu ihrem Namen.
Gegenseitige Wertschätzung: Ludwig II. und O'gau
Als im Juni 1886 Verhaftung und Tod Ludwigs II. bekannt wurden, war das ganze Oberland tief erschüttert. In Oberammergau – wo man dem König besonders anhing – kam es beinahe zum Aufruhr. Nur die Mahnung, auf den Ruf als Passionsspielort Rücksicht zu nehmen, hielt die wütenden Menschen zurück. Aber die Verstimmung gegenüber der Obrigkeit hallte noch lange nach. Zwei Jahre später, im Jahr 1888, initiierten königstreue Ammergauer (Bildhauer Wilhelm Lang und Forstmeistersohn Karl Binder) erstmals das Bergfeuer-Kreuz am Kofelfleck zu Ehren Ludwigs II. Die Gipfelkrone gibt es seit 1946.
Dieser König war in Oberammergau beliebt, wie kein anderer. Und die Wertschätzung beruhte auf Gegenseitigkeit: Ludwig II. hatte die Passionspiele gefördert und am Osterbichl 1875 die monumentale Kreuzigungsgruppe errichten lassen. Das Geschenk widmete er „den kunstsinnigen und den Sitten der Väter treuen Oberammergauern“ (Inschrift am Sockel).
Bis heute nehmen die „Feuermacher“ des Dorfes alljährlich die Anstrengungen auf sich. Ehrensache.
Literatur u.a.:
- „König-Ludwig-Feuer“, in: Brauchwiki.de (Heimat im Netz), hrsg. Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V., URL: https://www.brauchwiki.de/koenig-ludwig-feuer , aufgerufen am: 29.03.2026.
Empfohlene Zitierweise:
Heidi Korte, „Ludwigfeuer in Oberammergau. Feuer und Flamme für den König“, in: Königswege, URL: <https://koenigswege.bayern/ludwigfeuer-oberammergau>, zuletzt besucht am: [aktuelles Datum]





