Kochelsee (605 m) mit Herzogstand (1731 m) – Foto: HK
Bayerns Könige zu Gast
Kurhotel Bad Kochel
In Kochel am See gingen im 19. Jahrhundert bayerische Könige ein und aus. Max II. liebte die Windhütte am Aspenstein. Ludwig II. hatte im „Bad Kochel“ dauerhaft Zimmer reserviert. Das noble Kurhotel führte Familie von Dessauer. Als die „Marienquelle“ entdeckt wurde, stieg Kochel zum Heilbad auf. Die Kurmittel konnten sich mit Bad Ems und Franzensbad messen. Zur Unterhaltung gab’s Feuerzauber am Kesselbergwasserfall. Nach einem Brand versiegte die Quelle. Beinahe wäre das königliche Mobiliar mit verbrannt…
Hochkarätige Gäste in Kochel
Im 19. Jahrhundert traf sich in Kochel die feine Gesellschaft. Anziehungspunkt der Prominenz war das Kurhotel Bad Kochel. „Alles, was damals in Bayern Rang und Namen hatte“, war laut Ortschronisten regelmäßig zu Gast:
Die bayerischen Könige Ludwig I., Max II. und Ludwig II., die Kunstmaler Wilhelm von Kaulbach, Wilhelm Lindenschmidt d. Ältere, Moritz von Schwind und August Löffler; die Schriftsteller Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Friedrich von Bodenstedt; Gelehrte wie der Chemieprofessor Justus von Liebig; Musiker Franz Lachner und Richard Wagner; Staatsmänner wie Freiherr von der Pfordten und Otto von Bismarck. 1886 reiste Gräfin Trani, Schwester der Kaiserin Elisabeth, mit Tochter und Gefolge zu längerem Aufenthalt an.
Prächtiges Kurhotel mit allem Komfort
Die Kuranstalt lag malerisch und windgeschützt am Fuße des Aspensteins umgeben von Parkanlagen mit Spazierwegen, Lauben und Ruhebänken. In den Gärten blühten rund 2000 Obstbäume, Magnolien und tropische Gewächse.
Den Kern der Anlage bildeten zwei prächtige Häuser „im Gebirgsstil“ mit 56 herrschaftlichen Zimmern, alle fein tapeziert, hochwertig möbliert und mit Glockenzügen ausgestattet. 19 der Zimmer waren mit Intarsien-Parkettboden ausgelegt – darunter zwei Zimmer, die Ludwig II. dauerhaft für sich reserviert hatte.
Den Speisesaal mit Platz für 150 Gäste schmückten vier große Wandgemälde von August Löffler (1822-1866) mit Ansichten von Memphis, Athen, Rom und Jerusalem. Wilhelm von Kaulbach (1805-1874) hatte das Marmorbad und einige Zimmer mit Fresken bemalt.
Das Hotel war des Nachts mit Gas beleuchtet. Es gab einen „Spielsalon“ mit Billardtisch und Konzertflügel, eine Bibliothek mit deutschen, französischen und englischen Zeitungen und ein „Herrenzimmer“ für Raucher.
1840: Familie v. Dessauer gründet das Kurhotel
Die Geschichte der Kuranstalt beginnt 1836 als der Rechtsanwalt und Hofrat Dr. Georg von Dessauer (1795-1870) das Schlösschen auf dem Aspenstein erwarb. Er war Sohn eines Aschaffenburger Papierfabrikanten und als Rechtsberater des bayerischen Königshauses tätig. Seine Gattin Louise (geb. von Linder, 1805-1892) war Tochter eines Gutsbesitzers aus Schwenningen. Dessauer kaufte das Schlösschen von dem Münchner Weinhändler Ignatz Huber, der dort seit 1815 eine Gastwirtschaft mit Kegelbahn betrieben hatte. Im Dorf sprach man fortan vom „Dessauer-Schlösschen“.
Aus dem dazugehörigen Landgut mit Stallungen, Badehaus und Schiffshütte wollte Dessauer einen großen Betrieb machen. Er kaufte umliegende Höfe mit Wiesen und Wald hinzu, insgesamt 183 bayerische Tagwerk (= etwa die 1,5fache Fläche der Münchner Theresienwiese). 1840 bis 1842 entstanden die beiden prächtigen Hotelbauten und ein großes Ökonomiegebäude. Louise von Dessauer führte nun ein „offenes Haus“ und empfing illustre Gäste.
Die Parkanlagen legte ein Gärtner aus Holland namens Ibach an; nach ihm ist der „Ibachweg“ benannt, ein idyllischer Spazierweg um den Aspenstein.
1846: Heilquelle entdeckt
Schon die Klosterherren von Benediktbeuern sollen um eine Heilquelle bei Kochel gewusst haben. Sie hatten 1693 das Schlösschen auf dem Aspenstein errichtet. Bis zur Säkularisation 1803 diente es als Erholungsheim für Mönche und als Alterssitz der Äbte.
1846 ließ Georg von Dessauer im Innenhof seiner Hotelbauten nach Trinkwasser bohren. Dabei stieß man auf eine Mineralquelle. Der angesehene Chemiker Max von Pettenkofer (1818-1901) analysierte das Wasser und fand: eine kohlensaure Natronquelle von seltener Reinheit – ähnlich und besser als das berühmte „Emser Kränchen“ von Bad Ems!
Medizinische Fachzeitschriften besprachen das „Kocheler Wasser“. Ärzte empfahlen es zur Heilbehandlung. Dessauer bediente die Nachfrage, indem er das Heilwasser in Glasflaschen abfüllte und überregional vertrieb. Vor Ort bot er Gästen Trink- und Bäderkuren an.
Die Heilquelle erhielt „auf Ansuchen“ den Namen der Königin Marie von Bayern und wurde „Marienquelle“ genannt.
König Maximilian II. in Kochel
Max II. (reg. 1848-1864) soll regelmäßig in Kochel zu Gast gewesen sein. Auf dem Aspenstein gab es unweit des Schlösschens eine „Windhütte“ mit Aussicht auf See und Gebirge. Dem Ortschronisten zufolge soll der König gesagt haben, „daß der Platz oben auf der Windhütte der schönste seines Königreichs sei“.
Für Maximilian muss es eine günstige Fügung gewesen sein, dass Kochel sich zum Kurort entwickelte. Seine Gesundheit war fragil und er bedurfte regelmäßiger Kuren, für die er weite Reisen auf sich nehmen musste. Kochel lag in der Nähe seiner Jagdgebiete am Walchensee (z.B. Herzogstand oder Altlacher Hochkopf). So konnte der König Kuren und Jagdvergnügen verbinden.
Die Windhütte – die auch Ludwig II. offenbar gerne aufsuchte (siehe unten) – existiert nicht mehr; auch die Aussicht ist etwas zugewachsen. Aber der Platz am Ibachweg ist noch leicht zu finden (siehe Königsweg „Aspenstein-Runde„).
1863: Kochel offiziell "Kurheilbad"
Dessauers ältester Sohn Heinrich von Dessauer (1830–1879) hatte Medizin studiert und sich auf Kur- und Bäderheilkunde spezialisiert. Er praktizierte zunächst als junger Badearzt in Schliersee. Nach erfolgreichen Heilversuchen mit dem „Kocheler Wasser“ beschloss er, das Kurhotel der Eltern zu einem größeren Heilbad auszubauen.
1860 engagierte er den erfahrenen „Oberberg- und Salinen-Rath“ Joseph Knorr, um die Marienquelle durch Nachbohrung ergiebiger zu machen. Max von Pettenkofer konnte anschließend bestätigen, dass die Quelle von unverändert hervorragender Reinheit war.
Im Juni 1863 vermeldet das Königlich-Bayerische Kreisamtsblatt von Oberbayern: „Dem Dr. Heinrich Dessauer wurde seiner Bitte entsprechend aufgrund des Besitzes der Marienquelle in Kochel, k. Bezirksamts Tölz, die Erlaubniß der ärztlichen Praxis und Kur in seiner Anstalt erteilt.“ – Am 15. Juni 1863 wurde erstmals der neue Kurbetrieb eröffnet.
Allerlei Kurmittel und Kochelsee-Schlamm
Eine zeitgenössische Beschreibung der Kurmittel des Dessauer’schen Bades stammt von dem Balneologen Ludwig Ditterich (1804–1874), den Max II. zum Münchener Universitätsprofessor berufen hatte. Ditterich war Fachmann für Heilbäder.
Seinem Bericht zufolge bot die Kochler Kuranstalt Trink-, Bäder- und Inhalationskuren mit dem Wasser der Marienquelle. Auch die Pfisterbergquelle, eine alte Sulz am Pfisterberg, wurde genutzt. Es gab Kuh- und Geißmolken zum Baden und Trinken; dazu allerlei frisch gepresste Kräutersäfte aus eigenen Gärten.
Die Anstalt verfügte über modernste Einrichtungen für Dusch-, Dampf- und Vollbäder. Besonders empfohlen: Moorbäder aus Kochelsee-Schlamm aufgebrüht mit Marienquellwasser. Sogar den Schlamm hatte Pettenkofer analysiert und eine Ähnlichkeit mit dem von Franzensbad gefunden. (Franzensbad war ein Kurort im böhmischen Bäderdreieck, beliebt beim europäischen Hochadel.)
Maultier-Touren, Wasserzauber und Schweizerei
Die Anreise von München nach Kochel war – mit Beginn der Dampfschifffahrt auf dem Starnberger See (1856) – einfacher geworden. Der Kocheler Tafernwirt Jakob Fink unterhielt einen Stellwagenbetrieb, der täglich Gäste vom Seeshaupter Dampfersteg nach Kochel brachte.
Für sein Restaurant engagierte Dessauer den „wohlbekannten Oberkellner Jakob Kopp vom bayerischen Hof“ aus München. Ruderkähne standen bereit sowie Maultiere, um auch weniger sportliche Gäste auf die Berge zu bringen. Man organisierte Bootsausflüge zum Felsenkeller bei Schlehdorf und – besonders spektakulär – Mondscheinfahrten zu den Kesselbergwasserfällen mit bengalischer Beleuchtung und Feuerzauber.
Unweit davon hatte Dessauer eine „Schweizerei“ erschaffen, zur Molkenherstellung und als Touristenattraktion. Die Dessauer’sche „Geiß-Alm“ ist heute verfallen, aber noch in Wanderkarten eingetragen. Sie liegt auf knapp 900 m am Ausläufer des Sonnenspitz (1269 m).
Kurioses Erlebnis eines Wanderers im Kurhotel (1871):
Nach wenigen Minuten stehen wir zwischen den zwei großartigen Gebäuden des „Bades Kochel“. Befrackte Kellner, schrille Hotelglocken, elegante Herren und Damen und pikanter Küchenduft überzeugen uns, daß hier ländliche Stille und Einfachheit nicht zu Hause sind. Für verwöhnte Seelen ist dort ein trefflicher, empfehlenswerther Aufenthalt. (…)
Wir treten ohne weiteres in den Speisesaal, um am eben beginnenden Diner Theil zu nehmen. Der anwesenden feinen Gesellschaft scheint unsere touristische Toilette freilich nicht zu behagen, eine unverschämte beafsteaksbärtige Kellnerseele mißt uns sogar mit geringschätzigem Blick, aus dem wir den Zweifel an unserer Zahlungsfähigkeit herauslesen, aber all‘ das genirt uns wenig.
Das feine Diner schmeckt nach sechsstündigem Luftbade doppelt gut. Den Kellner söhnt ein auf die Zeche gelegtes „Douceur“ mit unserem unsalonmäßigen Auftreten ebenso gut aus als den jungen Aristokraten neben uns unser Diskurs, zu dem er sich herabließ, und aus dem er, wie es schien, mehr Kenntnis der Gegend schöpfte, als er sich während seines sechswöchigen Aufenthaltes selbst aneignen konnte. Er will sogar nähere Freundschaft mit uns schließen und lädt uns zu diesem Behufe ein, hier Villeggiatur zu nehmen.
Er schildert uns mit beredten, vermuthlich einer Empfehlungsanzeige der Badedirection entnommenen Worten, die Heilkraft der Kocheler Quellen, die „nach Pettenkofer’s Analyse die stärksten und reinsten kalten Sodaquellen Mitteleuropa’s“ seien. Ems, Vichy etc. wären nichts dagegen. Wir versichern ihm, daß wir, vollkommen gesund, kein Bedürfniß darnach fühlen und bedeuten ihm auf’s Höflichste, daß uns andere Ziele gesteckt seien.
Er läßt sich aber nicht abtreiben und macht uns sehr naiv auf die wohlthätige Wirkung aufmerksam, welche Molken, Kräutersäfte, See-, Dampf-, Fichtennadeldekokt- und Reichenhaller Mutterlaugen-Extractbäder auch schon auf Gesunde übten. Er behauptet, „die Kocheler Moorbäder könnten sich kühn mit denen Franzensbads messen“ u.s.w., so daß wir uns fast versucht fühlten, ihn für einen bezahlten Agenten des Bades zu halten, wenn nicht in demselben Momente seine hocharistokratische Mama ihm einen bedeutsamen, abwehrenden Blick zugeschleudert hätte.
Und wir waren der Dame dankbar für diesen Blick, denn er befreite uns aus einer Situation, die für freiheitslustige Touristen peinlich zu werden anfing.
– Emil Auer, Natur- und Lebensbilder vom Kochel- und Walchensee, in: Der Alpenfreund, hrsg. von Eduard Amthor, 1871.
König Ludwig II. in Kochel
Für Ludwig II. (reg. 1864 – 1886) war Kochel Stützpunkt seiner Bergfahrten zum Herzogstand. In der Regel reiste er von Schloss Berg am Starnberger See an. So lag Kochel direkt am Weg. Familie Dessauer half, die Aufenthalte des Königs am Herzogstand zu organisieren. Im Kurhotel hatte Ludwig zwei Zimmer dauerhaft gemietet. Sie lagen im Obergeschoss mit Balkon zum See. Der König nutzte sie, um sich auf der Durchreise zu erfrischen und manchmal zu übernachten.
Wenn Ludwig II. durch Kochel kam, „warteten alle auf der Straße, um dann, wenn er vorbeifuhr, in die üblichen Hochrufe einzustimmen“, so der Ortschronist. Gottfried von Böhm berichtet, dass Ludwig gern „auf dem sogenannten Parapluis bei Kochel das Mittagsmahl bei jedem Wetter im Freien“ einnahm. Damit dürfte jene „Windhütte“ auf dem Aspenstein gemeint sein, die schon Ludwigs Vater Max II. als Aussichtspunkt schätze.
1870: Wohnhaus fürs königliche Personal
Hofpersonal und königlicher Arbeitsstab Ludwigs II. waren anfangs im Gasthof Post untergebracht. Ab 1870 stand ein separates, geräumiges Wohnhaus zur Verfügung. Postwirt Jakob Fink ließ es am Bergfeldweg nahe dem Kurhotel bauen (heute: „Herzogstandweg 3“). 1871 kam ein Stall für die königlichen Reitpferde hinzu, die auf der Wiese am Haarreißbach grasten.
Während der König am Herzogstand weilte, organisierte in Kochel sein Arbeitsstab die Regierungsgeschäfte. Die täglich eingehenden Depeschen mit Nachrichten und Schreiben für den König wurden durch berittene Boten zum Berg gebracht, vom König bearbeitet und zurück nach München befördert.
Das Wohnhaus soll auch Lastenträgern und Wegearbeitern als Unterkunft gedient haben. Reit- und Fahrwege zum Herzogstand mussten jederzeit nutzbar sein und die Bedarfsgüter für den König rechtzeitig zum Berg gebracht werden.
1869: Heinrich von Dessauer geht nach Chile
Ende des Jahres 1869 gab Heinrich von Dessauer (1830–1879) das Kurhotel plötzlich auf und ging mit Frau und Kindern nach Valparaiso, Chile. Dort lebte seine Schwester Amalie, die 1864 einen Deutsch-Chilenen geheiratet hatte. Dessauer war in Valparaiso geschätzt. Als Arzt war er maßgeblich an der Gründung des deutschen Krankenhauses beteiligt. Er verstarb dort 1879 im Alter von nur 49 Jahren an einer Lungenentzündung, die er sich bei einem nächtlichen Noteinsatz zugezogen hatte.
Warum ging Dessauer fort? In den Quellen deuten sich verschiedene Gründe an: Überschuldung der Kuranstalt; Behinderung seines Unternehmens „seit Gründung des Bades“; Lügen und Verleumdungen gegen das Bad und seine Person. Heinrich beklagte das öffentlich. Es mag negativ auf ihn zurückgefallen sein, dass sein Vater Georg durch Grundstückskäufe „Unruhe ins Dorf“ gebracht hatte und 1859 wegen Urkundenfälschung zu 6 Jahren Haft verurteilt worden war. Nicht zuletzt könnte die jüdische Herkunft der Familie eine Rolle gespielt haben. –
Heinrichs Mutter, Louise von Dessauer (1805–1892), blieb in Kochel. 1887 – ein Jahr nach dem Tod Ludwigs II. – verkaufte sie das Bad, das fortan viele Besitzer- und Pächterwechsel erlebte. Das Aspenstein-Schlösschen blieb bis 1936 im Familienbesitz.
1895: Feuer zerstört Bad und Heilquelle
Am 12. September 1895 kam es in der Kuranstalt zu einem verheerenden Großbrand. Der Gebäudeflügel, in dem sich die Königszimmer Ludwigs II. befanden, wurde vollständig zerstört. Immerhin gelang es, das wertvolle Mobiliar des abgebrannten Flügels zu retten. Dorfbewohner, Hotelgäste und Feuerwehren packten mit an. – Schon im nächsten Jahr stand anstelle des zerstörten Traktes ein neues Hauptgebäude „im barocken Villenstil“ mit verändertem Grundriss.
„Als besonderes Glück darf es wohl bezeichnet werden, daß die jedem Kunstfreunde wohlbekannten Löffler’schen Fresken, sowie das von Wilhelm Kaulbach gemalte Marmorbad erhalten und in ihrer früheren Gestalt wieder hergestellt werden konnten“, so die Münchner Neuesten Nachrichten.
Infolge des Feuers war die Heilquelle nahezu versiegt. Sie lieferte nur noch eine geringe Schüttung von 144 Litern pro Tag. Zu wenig für den Kurbetrieb mit Bedarf an täglich 30 bis 40 Badewannen sowie Trink- und Inhalationskuren. Laut Ortschronisten wurde mehrfach versucht, den Brunnen zu vertiefen. Vergeblich. So war der Niedergang des Kurbetriebs unvermeidlich.
Mobiliar der König-Ludwig-Zimmer gerettet
Die historische Ansichtskarte belegt: Die vor dem Feuer (1895) gerettete Einrichtung der König-Ludwig-Zimmer – darunter Tisch und Stühle – wurde in den noch bestehenden Hotelflügel verlegt und in Ehren gehalten. Wandbespannung und Deckenbemalung wurden nachgebildet; der Holzfußboden soll im Original erhalten sein. Der im Foto gezeigte Zustand lässt sich zwischen 1912 und 1918 datieren, als das Kurhotel im Besitz des Münchner Kaufmanns Anton Rössner war.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Walchenseekraftwerk gebaut (1918-1924). Das Kurhotel diente als Unterkunft für die Arbeiter. Zu dem Zweck erfolgten Umbaumaßnahmen, denen die Speisesaal-Fresken August Löfflers zum Opfer fielen. Kunstgeschichtlich galten sie als sein Hauptwerk.
1926 kaufte die Vereinigung der St. Annaschwestern das einstige Kurhotel und richtete ein Erziehungsheim für Mädchen ein (St. Annaheim). Die Schwestern hielten das Königszimmer in Ehren und nutzten es als Empfangszimmer sowie für Kommunionen und Weihnachtsfeiern.
Literatur u.a.:
- Emil Auer: Natur- und Lebensbilder vom Kochel- und Walchensee, in: Der Alpenfreund. Monatshefte für Verbreitung von Alpenkunde unter Jung und Alt in populären und unterhaltsamen Schilderungen aus dem Gesammtgebiet der Alpen, hrsg. von Eduard Amthor, Dritter Band, Gera 1871.
- Gottfried von Böhm: Ludwig II. König von Bayern. Sein Leben und seine Zeit, Berlin 1924.
- Hans Demleitner: Kochel a. See, (Selbstverlag) Kochel 1985.
- Ludwig Ditterich, Bayerns Mineralquellen und Kurorte: Kochel. (Teil 1), in: Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung, 13. Juli 1864, Nr. 191.
- Jost Knauss, Siegfried Zauner: Der Herzogstand zwischen Kochel- und Walchensee. Alte und neue Informationen zur Geschichte des berühmten Berges, Kochel a. See 2010 (Mitteilungen des Vereins für Heimatgeschichte im Zweiseenland Kochel e.V.).
- Mario Praxmarer, Peter Adam: König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002, S. 34.
- Franz Paul Zauner: Oberammergau und Umgebung. Geschichtlicher Führer, Kempten 1922, S. 76.
Empfohlene Zitierweise:
Heidi Korte, „Kurhotel Bad Kochel. Bayerns Könige zu Gast“, in: Königswege, URL: <https://koenigswege.bayern/kurhotel-bad-kochel>, zuletzt besucht am: [aktuelles Datum]














